medien21: Zukunftsfähige digitale Ökosysteme im Post-Google-Zeitalter

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ence [B4], dontworry [B5]: Google auf dem Abstellgleis

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Immanuel Kant

Digitale Märkte sind in Bewegung gekommen

Diese drei Ereignisse:

  • das US-Finanzamt hat die Kryptowährung Bitcoins zu einem Vermögenswert erklärt [1]
  • „Google-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) [4], [5]
  • ein Start-Up aus Hamburg sammelte in einer Woche drei Millionen Euro für ein Produkt, das nichts Anderes darstellt als ein vom Internet unabhängiger Webserver [10], [13]

wurden von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, obwohl sie die Zerbröselung von scheinbar unerschütterlichen Institutionen bzw. scheinbar unumkehrbaren Entwicklungen im digitalen Raum beispielhaft und sehr deutlich vor Augen führen. Die Krümmel, die mit dieser Zerbröselung von den etablierten Märkten – vom Vermögensmarkt, vom Suchmaschinenmarkt, vom Internet – abgerungen werden, mögen noch gering sei. Die eingangs genannten Ereignisse sind aber nur einige von vielen Entwicklungen im Internet, die die Kräfteverhältnisse und Schwergewichte auf den Finanz- und Suchmaschinenmärkten sowie im Internet insgesamt bereits nachhaltig verändert haben. Diese Veränderungen sind derart kraftvoll und unübersehbar geworden, dass die hochdekorierte Manager in Chefetagen der Megakonzerne sich darüber beklagen [8].

Die fetten Zeiten für Google & Co. sind vorbei

„Der verursachte Schaden sei „drastisch und wird schlimmer“, sagt Eric Schmidt, Vorstandsvorsitzender bei Google, wie cnet.com berichtet. „Wenn wir so weiter machen, werden wir das Internet zerstören.“ Schmidt äußerte sich bereits in der Vergangenheit lautstark und kritisch zu der flächendeckenden und vorbehaltlosen Überwachung durch die National Security Agency und deren Verbündete.“ zitiert gulli.com im Artikel NSA-Skandal wird „Internet zerstören“. [8]. Das sind ganz neue Töne, die der Google-Verwaltungschef im Jahre 2014 von sich gibt. Hier ein Zitat aus dem Jahr 2009:

„Schmidt, sonst eher ein Freund leiser, bedächtiger Worte, polterte vor den Verlegern ungewohnt los: “I would encourage everybody, think in terms of what your reader wants. These are ultimately consumer businesses and if you piss off enough of them, you will not have any more”, las Schmidt den Verlegern die Leviten.“ [9]

Erstaunliche Ideenlosigkeit der Megakonzerne

Berndt Meyer: Magnetfeld mit Eisenfeilspänen sichtbar gemacht, [B1]

Berndt Meyer: Magnetfeld mit Eisenfeilspänen sichtbar gemacht, [B1]

Es überrascht mich nicht, dass die Manager gleich mehrerer Megakonzerne auf die rettende Idee gekommen sind, die Geheimdienste für die Verschlechterung von Geschäftsergebnissen verantwortlich zu machen. Ich bin aber erstaunt, wie bereitwillig die hochbezahlte Manager in einer medienwirksamen Meckerrunde [8] offenbaren, dass sie unfähig sind tragfähige Geschäftsideen ohne staatliche Unterstützung zu entwickeln und umzusetzen. Eine 180° Kehrtwende in Sachen marktaugliche Geschäftsideen anzubieten hat im Zuge der NSA-Affäre der Google-Verwaltungschef Eric Schmidt vorgelebt. Prädigte er doch noch vor fünf Jahren den Zeitungsverlegern, dass sie neue Geschäftsmodelle entwickeln und sich an die neuen Gegebenheiten anpassen müssten, wenn sie erfolgreich sein wollen. Aktuell hätte Eric Schmidt die Gelegenheit seine unternehmerischen Qualitäten unter Beweis zu stellen und in veränderten Marktbedingungen selbst erteilte Ratschläge zu verwirklichen.

Den Managern in den Chefetagen der Megakonzerne wie Microsoft, Google, Facebook und Co. ist aber wahrscheinlich nicht bewusst, dass ihr Zug abgefahren ist, dass die Nutzer im Internet sehr flexibel sind und dem Zeitgeist entsprechend ihre Gewohnheiten genauso schnell anpassen, wie die Eisenspäne ihre Orientierung im Magnetfeld ändern. Und da müssen die Manager sich über tragfähige Geschäftsmodelle, die im aktuellen Umfeld funktionieren, Gedanken machen, statt die Verantwortung für die Verschlechterung von Geschäftszahlen den staatlichen Geheimdiensten in die Schuhe zu schieben.

YaCy-Grundgerüst ist vielversprechend

Gustav Wall: YaCy-Welten, [B2]

YaCy-Welten, [B2]

In dieser veränderten digitalen Wirklichkeit zeigen herkömmliche Suchmaschinen und Soziale Netzwerke erhebliche Unzulänglichkeiten, die schlicht und einfach die Geburtsfehler der jeweiligen Lösung darstellen bzw. durch das Geschäftsmodell der herkömmlichen Lösungen bedingt und mit keinen kosmetischen Anpassungen zu beheben sind. Das YaCy-Ökosystem hat einige vielversprechende Merkmale, die YaCy dafür prädestinieren, sich als Alternative für die o.g. herkömmlichen Suchmaschinen und Sozialen Netzwerke zu etablieren.

Recherche-Kultur im Post-Google-Zeitalter

Die YaCy-Lösung bietet neue, bis dato unbekannte Möglichkeiten. Die Anwender müssen sich erst einmal daran gewöhnen, in Eigenregie die Gewichtung der Treffer in der Trefferliste zu steuern und somit personalisierte Reihenfolge, personalisierte Darstellung der Treffer zu erreichen. Eine personalisierte Reihenfolge, personalisierte Darstellung der Suchergebnisse ist auch bei den herkömmlichen Suchmaschinen eine gängige Praxis. Das Problem dabei ist, dass die Tatsache, dass die Suchmaschinenanbieter die Suchergebnisse passend für den jeweiligen Anwender manipulieren, vor den meisten Anwendern genauso verborgen bleibt wie die Ziele dieser Manipulation. Es liegt für einen aufgeklärten Anwender auf der Hand, dass die Suchmaschinen-Betreiber entsprechend dem Geschäftsmodell der börsenorientierten Konzerne, deren Eigentum die Suchmaschinen sind, zu einer Gewinnmaximierung verpflichtet sind. Das Interesse der Anwender, eine gute Trefferliste zu erzielen, hat in so einem Geschäftsmodell nicht die höchste Priorität. Da „gute Trefferliste“ kein geschützter Begriff ist, sind für einen Missbrauch der Trefferliste seitens des Betreibers der Suchmaschine Tür und Tor geöffnet.

Monetär, elitär, solidarisch

Definitionen

Gustav Wall: YaCy-Welten, [B2]

Geschäftliche und soziale Beziehungen im YaCy-Ökosystem, [B3]

Anbahnung und Entwicklung von Geschäftsbeziehungen und sozialen Kontakten im Post-Google-Ökosystem YaCy [11]

  1. Monetäre Geschäftsbeziehungen entstehen in Szenarien wie auf einem Marktplatz bspw. YaCy-Marktplatz.
  2. Unter elitären Geschäftsbeziehungen sind in diesem Kontext die Art von Beziehungen gemeint, wo bspw. ein Peer YPE im Yacy-Netzwerk für sich bestimmte Leistungen beansprucht bzw. konsumiert, wobei YPE nicht auf die Idee kommt, dass diese Leistungen überhaupt nicht selbstverständlich sind. Beispiele:
    • der Anwender nutzt und profitiert von den vom Entwickler realisierten Software-Features
    • der Entwickler nutzt und profitiert von den vom Anwender durchgeführten Tests und erstellten Test- und Fehlerberichten zu seiner Software
    • der Anwender nutzt kostenlos den Suchmaschinenservice und bleibt einem bestimmten Suchmaschinenanbieter SMA treu, womit dieser SMA zu einem elitären Marktführer geadelt wird
    • der SMA nutzt persönliche Daten der Anwender – exklusiv, da dies meistens durch die SMA-Datenschutzerklärung vorgesehen ist
  3. solidarisch verhalten sich die Teilnehmer in einem Netzwerk, Mitglieder einer Gemeinschaft, wenn wie im oben erwähnten Beispiel 1. dem Entwickler und dem Anwender die von der jeweils anderen Seite erbrachte Leistung bewusst ist, diese Leistung wird ideel geschätzt, es erfolgt aber keine Bewertung dieser Leistungen in einem Preissystem. Salopp ausgedrückt, es herrscht in einer solidarisch organisierten Community das Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“.

Die o.g. drei Arten von Beziehungen monetär, elitär, solidarisch in den jeweiligen Netzwerken sind nur eine kleine Auswahl aus den unzähligen vielseitigen wechselseitigen Beziehungen, die in Reinkultur oder in unterschiedlichsten Kombinationen in den Netzwerken gelebt werden und auf dem Bild „Geschäftliche und soziale Beziehungenim YaCy-Ökosystem“ schemenhaft mit Strichlinien dargestellt sind. Diese unvollständige Dreier-Auswahl dient u.a. dem Zweck, bei der Betrachtung des Ist-Zustandes der YaCy-Software-Lösung brauchbare Anhaltspunkte, Erkenntnisse und Anregungen bezüglich der YaCy-Weiterentwicklung zu gewinnen.

YaCy-Marktplatz (YMP)

  • ein Beispiel: ein YaCy-Peer macht bekannt, dass er/sie ein Interesse am bestimmten YaCy-Feature XYZ hat. Es wäre vorteilhaft, wenn das YaCy-Ökosystem eine Infrastruktur für eine komfortable zeitsparende Kommunikation im folgenden Workflow bieten würde:
    • für die potentielle Auftragnehmer XYZPAN – ein Preisangebot XYZPA für den Auftrag XYZA bekannt zu machen
    • für einen potentiellen Auftraggeber AGYXM – die Bereitschaft bekannt zu geben, sich mit einem Betrag MN € am Auftrag XYZA zu beteiligen
    • das YMP-System verschickt automatisch eine Nachricht an alle AGYXM-Interessente und den/ die XYZPAN, sobald der Betrag XYZPAN gedeckt ist, also sich ausreichend Auftraggeber AGXYZ bereit erklären, das Feature XYZ mit einem Betrag MN € zu finanzieren
  • Anmerkung: In dieser Beschreibung ist beispielhaft/symbolisch € als Währungseinheit aufgeführt. Es ist auf dem jeweiligen YMP die Verwendung von anderen jeweils von den YMP-Teilnehmern vereinbarten/ akzeptierten Währungseinheiten denkbar. Deswegen sind auf dem YaCy-Welten-Bild explizit eine unbestimmte Menge von YMP-Währungen abgebildet.
  • Schlüsselwörter: Exchange, Börse, YaCy-Märkte

YaCy-Ökosystem

Bildliche Darstellung für die Denkanstöße "Wie kann sich ein YaCy-Ökosystem weiterentwickeln?" Abgeleitet von den Bildern von Ben Mills.

Bildliche Darstellung für die Denkanstöße „Wie kann sich ein YaCy-Ökosystem weiterentwickeln?“ Abgeleitet von den Bildern von Ben Mills.

 

 

Dieser Artikel wurde lektoriert von R. von Barghorn

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